Klaus-Dieter Thill: „Mit eHealth entsteht für Ärzte ein neuer Markt“

Klaus-Dieter Thill: „Mit eHealth entsteht für Ärzte ein neuer Markt“

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    Wie können Ärzte ihr Image beeinflussen und ihre Praxis vermarkten? Klaus-Dieter Thill berät seit 20 Jahren Arztpraxen und Kliniken in ihrer Arbeit. Wir haben mit dem Diplom-Kaufmann über Praxis-Websites, soziale Netzwerke und Gesundheits-Applikationen gesprochen. 

    Ihr aktuelles Buch heißt „Imagebildung in Arztpraxen: Hier geht noch was!“. Welche allgemeinen Tipps geben Sie Ärzten, die Ihr Image verbessern möchten – vor allem online?

    Klaus-Dieter Thill: Ganz besonders kommt es bei Internet-Präsenzen ärztlicher Praxen auf eine wirklich patientenverständliche Erklärung des Leistungsspektrums an, vor allem medial unterstützt durch Bilder und Videos. Leider wird das von vielen Praxen nicht umgesetzt, sie sind oft zu textlastig, weil man alles im Detail erklären will und auch zu medizinisch-wissenschaftlich. Für Patienten sehr wichtig sind Fragen, die andere Patienten immer wieder stellen. Ihre Sammlung und Beantwortung trägt auch dazu bei, die Leistungsbeschreibungen optimal zu gestalten. Hier eignen sich Patienten-Zufriedenheitsbefragungen, um an diese Fragen zu gelangen. Weiterhin werden Download-Angebote von Broschüren, Informationsblättern und Aufklärungshilfen benötigt, aber auch Links zu anderen Seiten mit fachlich relevanten Themen, die natürlich vorher seitens der Praxis auf Eignung geprüft wurden. Obligatorisch ist eine Präsentation des Teams mit Fotos, Funktionsbeschreibungen und Kompetenzen, möglichst mit Zertifikaten untermauert. In Zeiten der steigenden Bedeutung von Arzt-Bewertungsportalen kommt es auch darauf an, die Ergebnisse der eigenen, praxisinternen Patientenbefragungen regelmäßig zu veröffentlichen, ergänzt um den Link-Verweis auf Portale, in denen Bewertungen der Praxis zu finden sind. Dabei muss die Anzahl der Beurteilungen jedoch substantiell sein, sonst ist der Verweis nicht notwendig.

    Sie schreiben in ihrem Weblog, dass soziale Netzwerke unter Ärzten noch nicht so bekannt sind. Was können Ärzte durch eine Aktivität in sozialen Netzwerken erreichen?

    Klaus-Dieter Thill: Primär geht es um eine Multiplikation der eigenen Internet-Präsenz und um das Ziel einer Kompetenz-Profilierung sowie um Transparenz, sowohl gegenüber Patienten als auch im Hinblick auf kooperierende Ärzte. Man kann also sagen, dass es gut ist, dort mit aktuellen Informationen vertreten zu sein, aber die Aktivitäten haben nicht erste Priorität. In Anbetracht limitierter Ressourcen sollte das Kernstück aller Aktivitäten die Praxis-Website bilden. Schließlich nützt eine Präsenz auf Facebook, Google+ etc. nicht viel, wenn man dort nicht regelmäßig aktiv ist und neue Inhalte einstellt. Soziale Netzwerke haben vor allem eine Kommunikationsfunktion und man kann von dort sehr gut auf die eigene Website hinweisen. Weil die Radiologie sehr visuell orientiert ist, bietet es sich für Radiologen an, auf ihrer Praxis-Website Bilder und Videos bereitzustellen, zum Beispiel von ihren Geräten und deren Funktionsweise. Diese sollten natürlich für Patienten verständlich aufbereitet sein. Dabei müssen Radiologen jedoch nicht immer alle Inhalte selbst produzieren oder kostenpflichtig in Auftrag geben. Eine gute Möglichkeit, seine Patienten mit recht geringem Eigenaufwand zu informieren, bietet die Verlinkung zu externen Websites. Dabei muss man jedoch die Qualität und Relevanz dieser Website-Inhalte vorher genau überprüfen. Damit sich auch dieser Aufwand in Grenzen hält, eignet sich besonders gut die Verlinkung zu den Internet-Präsenzen von Verbänden.    

    In einem ihrer Blog-Beiträge beschreiben Sie ausführlich, wie Ärzte Health-Coaching betreiben können und so ihre Patienten bei der Nutzung von Gesundheits-Apps, Fitness-Trackern etc. unterstützen. Warum lohnt es sich für Ärzte, diese Art der erweiterten Patientenberatung anzubieten?

    Klaus-Dieter Thill: Damit sich dieser Aufwand für Ärzte lohnt, muss er natürlich honoriert werden. Aber die ersten Krankenkassen übernehmen bereits die Kosten für bestimmte Applikationen. Im Moment entsteht ein neuer Markt für Ärzte. Vor allem bei Hausärzten und Sportmedizinern kann ich mir gut vorstellen, dass diese Art der Dienstleistung ein drittes Standbein werden könnte. Allgemein geht der Trend hin zur Verbesserung der Versorgungsqualität und damit zur Präventions- bzw. Gesundheits-Praxis und -Klinik. Die Auswirkungen auf die verschiedenen Ärzte lassen sich schwer vorhersehen, aber der Markt rund um eHealth und Telemedizin entwickelt sich gerade sehr vielfältig. Wir werden sehen, was am Ende übrig bleibt, welche Gesundheits-Applikationen für Ärzte interessant sind und welche sie ihren Patienten empfehlen möchten.   

    Klaus-Dieter-ThillKlaus-Dieter Thill war nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre viele Jahre im Management für Marketing und Vertrieb verschiedener Unternehmen tätig. Seit 20 Jahren ist der Diplom-Kaufmann Inhaber und Leiter des Instituts für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung (IFABS) mit den Schwerpunkten „Benchmarking-Analysen“ und „Trendscouting“ in der Gesundheitswirtschaft. Thill hat diverse Fachbücher zur Optimierung der Arbeit in Arztpraxen und Krankenhäusern geschrieben und bloggt regelmäßig zu diesen Themen unter http://ifabsthill.wordpress.com

     

    Titelbild: © photodune.net / Andrey Popov

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