Digitale Medizin: Das sind die eHealth Trends 2020

Digitale Medizin: Das sind die eHealth Trends 2020

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Wie verändert sich das Gesundheitswesen im Jahr 2020? Wir haben für Sie eine Prognose der wichtigsten Digital Health Trends erstellt.

Zu den eHealth und mHealth Trends 2020 zählen unter anderem die App auf Rezept, smarte medizinische Dinge, Telemedizin, Medical Deep Learning und Datenschutz in der Medizin. Einige dieser Digital Health Trends nehmen dieses Jahr so richtig Fahrt auf, andere werden erst in den kommenden Jahren marktreif und wieder andere wie z.B. Datenschutz sind jedes Jahr aktuell. Daher lohnt es sich, die Entwicklung aller Trends zu verfolgen.  

eHealth Trend 1: App auf Rezept

Voraussichtlich ab dem zweiten Quartal des Jahres 2020 werden Ärzte ihren Patienten Rezepte für Gesundheits-Apps ausstellen können. Bis zum 31. März 2020 muss die Kassenärztliche Bundesvereinigung daher ein Sicherheitskonzept erarbeiten und zusammen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Hersteller solcher Apps zertifizieren. CE-zertifiziert landen die geprüften Apps dann im Verzeichnis für Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA-Verzeichnis), in dem alle kassenpflichtigen Gesundheits-Apps gelistet werden. Zusätzlich muss das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die App nach Kriterien wie Sicherheit, Funktionstauglichkeit, Qualität, Datensicherheit und Datenschutz und als Medizinprodukt geprüft haben.

Werden diese Anforderungen erfüllt, wird die App ein Jahr lang vorläufig von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet. In dieser Zeit muss der Hersteller beim BfArM nachweisen, dass seine Anwendung die Versorgung der Patienten verbessert. Wie viel Geld der Hersteller erhält, verhandelt er dann selbst mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hat ein Positionspapier zur Aufnahme von digitalen Gesundheitsanwendungen in die Krankenkassen-Erstattung vorgelegt. Darin schlägt der BVMed sieben Maßnahmen zur Umsetzung des Digitale Versorgung-Gesetzes (DVG) durch das Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen vor, das vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geführt wird. 

eHealth Trend 2: Telemedizin

Nachdem der Deutsche Ärztetag den Weg für telemedizinische Konsultationen auch im Erstkontakt geebnet hat, entwickelt sich dieser Markt jetzt langsam. Aktuelles Beispiel ist der Markteintritt von KRY Anfang Dezember. Das Unternehmen bietet eine Plattform für Ärzte an, um im jeweiligen Gesundheitssystem Videosprechstunden durchzuführen und abzurechnen. Ebenso wie KRY kooperiert auch TeleClinic, ein Startup aus München, mit in Deutschland approbierten, hier niedergelassenen Ärzten und setzt im Patientenkontakt bisher stark auf das Telefon. Daneben gibt es Medgate Deutschland, eine Rhön Klinikum-Tochter in Kooperation mit Medgate Schweiz, und Zava, das zuvor als DrEd für selektive Indikationen von London aus agierte. Seit kurzem mischt auch der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) im hart umkämpften Telemedizin-Markt mit. Seine Schweizer Plattform OnlineDoctor richtet sich ausschließlich an Selbstzahler. 

Im Rahmen des Telemedizinprojektes TELnet@NRW wurden bereits 10.000 Patienten betreut. Insbesondere für kleinere Krankenhäuser stellen solche telemedizinisch gestützten Versorgungsverbünde eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige Versorgung sicher. Televisiten ermöglichen den derzeit 17 am Projekt beteiligten Krankenhäusern und deren Ärzten, sich mit Experten der Universitätskliniken Aachen und Münster über die Optimierung der Behandlung auszutauschen.

InSight Telepsychiatry und Regroup Telehealth kündigen ihre Fusion an, um der größte und umfassendste Anbieter von Telepsychiatrie in den Vereinigten Staaten zu werden. Die Fusion wird die kollektiven Partnerschaften, das Fachwissen, die Führungsqualitäten, das Netzwerk von Anbietern und die Ressourcen beider Unternehmen nutzen, um den Zugang zur Versorgung für diejenigen, die sie am meisten benötigen, zu verbessern. Der diesjährige Philips Future Health Index zeigt, dass die Telemedizin in den meisten untersuchten Ländern, einschließlich Deutschland, noch kein fester Bestandteil der täglichen Arbeit der medizinischen Fachkräfte ist. Wenn sie eingesetzt wird, dann vorrangig für den fachlichen Austausch mit Kollegen und weniger zur Kommunikation mit den Patienten.

eHealth Trend 3: elektronische Patientenakte

Der für diverse gesetzliche Krankenversicherungen arbeitende Managed Service Provider Bitmarck hat das Wiener Unternehmen RISE als Partner bei der Entwicklung einer standardisierten, elektronischen Patientenakte beauftragt. RISE lieferte 2018 im Auftrag der Gematik einen BSI-zertifizierten Konnektor für die Telematik-Infrastruktur. Im Hinblick auf die enge Zeitplanung des Gesetzgebers, die elektronische Patientenakte verpflichtend zum 1. Januar 2021 einzuführen, sind beide Partner unter Zeitdruck und bereits in die Projektarbeit gestartet.

Im Zusammenhang mit der elektronischen Patientenakte (ePA) gaben 62 Prozent der vom Philips Future Health Index Befragten an, dass sie gerne ihre Daten einsehen würden, wenngleich sie derzeit keinen Zugriff bzw. keine Kenntnis von einem solchen Zugriff haben. 24 Prozent hingegen lehnen die ePA ab und 14 Prozent sind diesbezüglich noch unschlüssig.

eHealth Trend 4: Smarte medizinische Dinge

Ein intelligentes Implantat soll künftig nach einer OP die Heilung von Knochenbrüchen überwachen und bei Fehlbelastung warnen. Wächst ein Knochen falsch zusammen, soll der smarte Helfer sogar mit Bewegung gegensteuern. Eine Forschergruppe der Universität des Saarlandes will ein solches Implantat, das komplizierte Brüche schneller und besser heilen lassen soll, in den nächsten fünf Jahren entwickeln.

3D-Drucker kommen immer häufiger auch in der Medizin zum Einsatz. Auch das UKM (Universitätsklinikum Münster) setzt auf das Verfahren. Mit den 3D-gedruckten Modellen bereiten sich die Chirurgen optimal auf eine Operation vor und verbessern so nicht nur das Ergebnis, sondern verringern auch die OP-Zeit um 10 bis 15 Prozent. Als Grundlage für den 3D-Druck dienen CT-Aufnahmen, die über eine Software aufbereitet werden. Forscher der ETH Zürich und der südafrikanischen Firma SAT entwickelten eine künstliche maßgeschneiderte Herzklappe aus 3D-gedrucktem Silikon. Diese könnte künftig dabei helfen, den steigenden Bedarf einer alternden Gesellschaft für Ersatz-Herzklappen zu decken. 

Experten sind sich einig, dass die Zahl der medizinischen Robotik-Anwendungen im Laufe der nächsten Jahre zunehmen wird. So können Ärzte beispielsweise mit dem robotergestützten System Sculptura von Sensus Healthcare während einer OP gezielt Tumore im Körper bestrahlen. Und mit dem Leichtbauroboter LBR Med des Automatisierungs- und Robotikspezialist Kuka sind gleich mehrere Anwendungsszenarien denkbar: z.B. Ultraschall-Untersuchungen selbstständig und mit konstantem Druck durchführen oder dem Arzt bei Operationen an der Wirbelsäule assistieren.

eHealth Trend 5: Medical Deep Learning

Immer mehr Forschungsprojekte und Startups beschäftigen sich mit Künstlicher Intelligenz in der Medizin. So untersucht beispielsweise das Forschungsprojekt TrueBrainConnect an der Charité Universitätsmedizin Berlin auf nicht-invasivem Weg Verbindungen zwischen Gehirnregionen systematisch, um Rückschlüsse auf mögliche Erkrankungsmuster zu ziehen. So sollen Demenz oder Parkinson künftig in einem sehr frühen Stadium erkannt werden – dank einer verbesserten Auswertung von per Elektroenzephalografie (EEG) gemessenen Hirnströmen künftig sogar ohne operative Eingriffe. Wissenschaftler der LMU, des Helmholtz Zentrums München und der TUM haben einen Algorithmus entwickelt, der automatisiert Metastasen erkennt. Die neue Technologie findet sogar einzelne streuende Krebszellen im gesamten Körper von Mäusen. Um solche Innovationen Ärzten und Kliniken zugänglich zu machen, gibt es unter anderem Telepaxx MarketPlace, einen Marktplatz für Medizinprodukte. 

Laut Philips Future Health Index nutzen heute 41 Prozent der medizinischen Fachkräfte in Deutschland KI-gestützte Technologien in ihrer täglichen Arbeit. Damit liegen sie etwa gleichauf mit ihren US-Kollegen (33 Prozent). Nur Italien (59 Prozent), Frankreich (54 Prozent) und China (85 Prozent) sind den deutschen sowie US-amerikanischen Medizinern voraus. Ein Anwendungsfeld für KI ist beispielsweise die Diagnostik, bei der sie für eine verbesserte Bildqualität oder automatisiertes Erkennen von Auffälligkeiten in Befunden eingesetzt wird.

eHealth Trend 6: Datenschutz in der Medizin

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat die Zusammenarbeit mit dem Berliner Unternehmen Ada Health beendet. Als Grund verweist die TK die Datenschutzmängel in der Gesundheits-App von Ada Health, über die der Sicherheits-Experte Mike Kuketz und das Computermagazin c’t berichtetet hatten. Kurz darauf hat auch die AOK Nordost ihre Kooperation mit Ada Health aus Datenschutzbedenken eingestellt. 

Der Bundesbeauftragte für Datenschutz hat angekündigt, mehr Fokus auf den Schutz von Gesundheitsdaten zu legen. Zudem sorgen Ulrich Kelber, wie er dem Tagesspiegel sagte, die Angriffe auf Krankenhäuser. Gesundheitseinrichtungen sollten nicht mit abgelaufenen Betriebssystemen oder unsicheren Cloud-Diensten arbeiten. Gesundheits-Apps müssten besser hinsichtlich des Datenschutzes geprüft werden. Daher bleibt das Thema Datenschutz ein Dauerbrenner, der nach wie vor einen großen Platz im Gesundheitswesen einnimmt und von keinem Gesundheitsdienstleister vernachlässigt werden sollte.

 

Foto: www.pexels.com

Redaktionsteam
Das HealthDataSpace-Redaktionsteam umfasst Digithurst und Telepaxx Mitarbeiter verschiedener Abteilungen, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu relevanten Themen einbringen. Fragen, Feedback, Anregungen gerne an: marketing@healthdataspace.de

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