„Die elektronische Gesundheitskarte bringt nicht den erhofften Nutzen.“

„Die elektronische Gesundheitskarte bringt nicht den erhofften Nutzen.“ [Kommentar]

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    Ein Kommentar von Telepaxx Geschäftsführer Andreas Dobler

    Elektronische Gesundheitskarte wird zum Jahreswechsel Pflicht – das berichtete Heise Online. Man muss diese Überschrift lediglich in Ihre Einzelteile zerlegen, um sich des chronischen Dilemmas bewusst zu werden:

    „Elektronische Gesundheitskarte…

    Der Anspruch, an dem sich die mit einem Milliardenaufwand als Teil der Telematik-Infrastruktur eingeführte eGK messen lassen muss, ist einer der vernetzten Medizin mit sicherem elektronischen Austausch aller behandlungsrelevanten Informationen sowie elektronischer Patientenakte. Was jetzt allerdings kommt ist meiner Meinung nach nicht viel mehr als ein „elektronisches Rezeptbuch mit Lichtbild“. Das war 2003 in Dänemark und anderen Ländern bereits etabliert und hätte einfach und kostengünstig adaptiert werden können. Auf die geplanten Mehrwertdienste wie eArztbrief und Patientenakte wurde 2011 erst einmal ganz verzichtet, um die eGK überhaupt einführen zu können. Mittlerweile sind für diese Funktionalitäten längst Lösungen auch ohne Telematik-Infrastruktur verfügbar – wie zum Beispiel HealthDataSpace.

    …wird zum Jahreswechsel

    Ursprünglich sollte die eGK bereits 2006 flächendeckend eingeführt werden, doch es gab eine Serie von Verschiebungen. Durch diese endlose Einführungsphase basiert die Telematik-Infrastruktur auf einem mehr als zehn Jahre alten Technologie-Konzept. Damals gab es noch keine Tablets, Smartphones, Karten mit NFC oder Cloud-Technologien. Wie stecke ich beispielsweise meine eGK in ein iPad oder anderes mobiles Gerät?

    …Pflicht“

    Dies ist notwendig, weil die Verwendung der Telematik-Infrastruktur für fast keinen Teilnehmer am Gesundheitswesen, außer den Krankenkassen, einen Nutzen bringt. Denn alle medizinisch interessanten Mehrwertdienste bis auf das eRezept sind mittlerweile obsolet. Auch die Pflicht ist relativ, denn es gibt eine Reihe von Ersatzverfahren und Ausnahmeregelungen. Besonders pikant finde ich dabei: gerade der Bund in seinem Hoheitsbereich (z.B. Bundeswehr) beansprucht trotz aller Verzögerungen einen großen Anteil dieser Ausnahmen anstatt mit gutem Beispiel voranzugehen.

    Mein persönliches Fazit

    Wieder einmal scheitert Deutschland mit einem prestigeträchtigen Großprojekt und vergibt eine große Chance auf ein vernetztes, modernes Gesundheitswesen wie es in vielen anderen europäischen Ländern längst Standard ist. Da ein Scheitern aus politischer Räson nicht möglich ist, wird für immense Kosten eine viel zu geringe Funktionalität mit marginalem Nutzen eingeführt. Schade um die vergebene Chance und schade um das viele Geld. Was hätte man damit zum Nutzen des Patienten alles Sinnvolles machen können…

    Andreas Dobler
    Andreas Dobler ist Geschäftsführer von Telepaxx sowie stellvertretender Geschäftsführer von Digithurst. Der Betriebswirt ist seit 1990 im IT-Gesundheitswesen tätig und hält regelmäßig Vorträge zu den Themen Datenschutz und eHealth. Ehrenamtlich engagiert sich der zweifache Familienvater für den Basketballsport in seiner Region. Fragen, Feedback, Anregungen gerne an: info@healthdataspace.de

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