Studie deckt auf: Das denken Ärzte wirklich über eHealth-Lösungen und die Digitalisierung...

Studie deckt auf: Das denken Ärzte wirklich über eHealth-Lösungen und die Digitalisierung im Gesundheitswesen

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    Zum ersten Mal wurden Ärzte zu konkreten digitalen Versorgungslösungen befragt. Der DAK-Digitalisierungsreport 2018 bildet Meinungen und Wissensstand der Ärzte zur Digitalisierung des Gesundheitswesens ab.

    Der DAK-Digitalisierungsreport 2018 zeigt die Einstellungen der Ärzte und stellt dar, wie sie sich zum Beispiel die Bewertung digitaler Lösungen vorstellen und, wie weit verbreitet das Wissen über bestimmte eHealth Möglichkeiten ist. Die Meinung der Anwender hilft dabei, gute Lösungen als Teil eines modernen und patientenorientierten Gesundheitssystems zu identifizieren. Damit ergänzt der Report unter anderem eine Studie der Stiftung Gesundheit.

    Deutsches Gesundheitswesen nicht digital genug

    Im direkten Vergleich hinkt Deutschland anderen europäischen Ländern wie Dänemark, Italien oder Spanien hinterher, was die Digitalisierung ihres Gesundheitswesens angeht. Die Digitalisierung hemmende Gesetze gehören überprüft, damit zum Beispiel Gesundheits-Apps zügig evaluiert werden und sinnvolle Lösungen schnell eingesetzt werden. Regelmäßige Statusberichte könnten dazu beitragen, dass Deutschland nicht noch weiter abfällt.

    Ärzte kennen nur wenige eHealth Lösungen

    Digitale Anwendungen für Patienten sind bei Ärzten noch weitestgehend unbekannt. Am bekanntesten ist noch die Video-Sprechstunde (über 80 Prozent Zuspruch), wegen der intensiven Berichterstattung in den Fachmedien. Dabei hat nur knapp jeder fünfte Arzt schon mit dem Telekonsil zu tun gehabt. Ähnlich sieht es mit der Verbreitung von Online-Coachings aus, die eher ein durch Selektiv-Verträge geregeltes Angebot von Krankenkassen sind. Überraschend: Am bisher unbekanntesten, trotz intensiver Fachmedien-Berichterstattung, ist die Online-Patientenakte. Nur jeder zweite Arzt hat schon davon gehört. Die höchste praktischer Verbreitung hat der elektronische Arztbrief.

    Und das obwohl jeder zweite Arzt für die Wissenschaft einen klaren Nutzen in der Digitalisierung sieht ebenso wie für die Verbreitung von medizinischen Erkenntnissen und neuen Leitlinien. Im Gegensatz dazu hat schon jeder zweite Arzt von Diagnostik-Apps gehört, obwohl diese bisher nicht reguliert und integriert sind. Dabei haben ältere Ärzte etwas häufiger von neuen digitalen Innovationen gehört als Jüngere, obwohl jüngere Ärzte über alle Bereiche hinweg einen größeren Nutzen in digitalen Versorgungslösungen sehen als ihre älteren Kollegen. Diese Beobachtung zieht sich über alle abgefragten Anwendungen.

    Ärzte sehen klaren Nutzen in eHealth Lösungen

    Obwohl der wissenschaftliche Nutzennachweis von digitalen Therapie-Begleitprogrammen für Patienten erst langsam wächst, sehen immerhin vier von fünf Ärzten vielleicht oder klar einen Nutzen hierfür. Auch hier sieht der überwiegende Teil der Ärzte einen Nutzen, obwohl webbasierte Arzt-Patientenlösungen für die Kommunikation noch nicht flächendeckend umgesetzt werden konnten. Für standardisierte digitale Aufklärungs- und Coaching-Anwendungen ist die Nutzenbewertung eher positiv, jedoch etwas geringer als bei anderen Anwendungen. Die Zusammenführung von Tracking-Daten in die digitale Gesundheitsakte des Patienten wird eher mit einem vermuteten Nutzen bewertet. Diese Anwendung gibt es in der Realität noch nicht.

    Eine Bewertung anhand praktischer Erfahrungen ist noch nicht ausreichend möglich. Trotzdem ist die Nutzenbewertung durch die Ärzte tendenziell positiv: Sieben von zehn sehen einen möglichen oder einen klaren Nutzen. Digitale Versorgungslösungen werden von Ärzten weniger positiv bewertet, wenn sie noch rein theoretisch sind oder neue Paradigmen in die Versorgung einbringen. Selbst bei kritischen Themen sind viele Ärzte offen für digitale Lösungen. Knapp die Hälfte würde auch Therapie-Empfehlungen und Verordnungen per Videochat vergeben. Zwei von drei Ärzten halten es für realistisch, dass ein solches Szenario künftig umgesetzt wird. Drei Viertel der Ärzte würden eine praxisunabhängige und patientenzentrierte Gesundheitsakte begrüßen. Auch hier steht der konkrete Nutzen für Patienten und Ärzte im Vordergrund.

    Ärzte fordern Nutzennachweis bei digitalen Gesundheitsanwendungen

    Vier von fünf Ärzten sehen klinische Studien wie bei Medikamenten als notwendig an, um den Nutzen digitaler Anwendungen nachzuweisen. Obwohl ein Nutzennachweis erwünscht wird, denken zwei von drei Ärzten, dass für digitale Anwendungen schlankere und agilere Evaluationsmethoden verwendet werden sollten. Auch im hier abgefragten TÜV-Szenario wird deutlich, dass Ärzte eine unabhängige Prüfung begrüßen. Noch deutlicher ist bei den Ärzten die Zustimmung dazu, dass Apps wie Medizinprodukte geprüft werden sollten. Bemerkenswert: Zwei von drei Ärzten vertrauen Ihrer Überzeugung und Erfahrung auch bei digitalen Anwendungen.

    Finanzierung und Integration in die Regelversorgung

    Bei der praktischen Integration in die Regelversorgung sehen Ärzte die Fachgesellschaften an erster Stelle. Die Finanzierung von digitalen Therapieanwendungen ist für fast drei Viertel der Ärzte kein kritisches Thema. Drei Viertel der Ärzte legen mehr Wert auf eine geregelte Evaluation der Nutzens digitaler Anwendungen. Die Finanzierung ist zweitrangig.

    Ärzte vertrauen Krankenkassen mehr als Pharma-Unternehmen

    Ärzte bewerten Online-Coachings grundsätzlich als sinnvoll. Die Bewertung ist jedoch abhängig davon, wer ein Coaching entwickelt: Das Vertrauen in Pharma-Unternehmen ist nicht sehr ausgeprägt. Nur gut jeder zweite Arzt würde ein solches Coaching anwenden. Das Coaching einer Krankenkasse würden mehr als zwei Drittel der Ärzte anwenden. Kassen werden offenbar eher als vertrauenswürdige Partner im Gesundheitswesen gesehen. Rund drei Viertel der Studienteilnehmer halten die Nachsorge-App einer Klinik für sinnvoll und würden sie anwenden. Ärzte sind besonders offen für digitale Lösungen, die einen konkreten Nutzen für Patienten und Ärzte haben.

    Ärzte wünschen sich Arbeitsentlastung durch digitale Lösungen

    Entlastung der Ärzte und bessere regionale Versorgung mit digital unterstützten Fachkräften: Fast alle Ärzte wünschen sich solche Lösungen. Die DAK-Gesundheit arbeitet bei der Versorgung chronischer Wunden bereits mit diesem Modell. Eine deutliche Mehrheit der Ärzte befürwortet ein Szenario, das eine klare Regelung digitaler Lösungen beinhaltet. Am wichtigsten ist den Ärzten, dass sie von E-Health-Lösungen im Arbeitsalltag entlastet werden, sodass mehr Zeit für den Patienten bleibt.

    Foto: ©photodune.net / francesco83

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