Studie belegt: Patienten sind bereit für Video-Sprechstunde, App und E-Rezept

Studie belegt: Patienten sind bereit für Video-Sprechstunde, App und E-Rezept

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Versicherte sind aufgeschlossen gegenüber eHealth. Drei Viertel begrüßen die App auf Rezept – vielleicht auch, weil sich Ärzte ihrer Meinung nach zu wenig Zeit für Patientengespräche nehmen. Das zeigt der Healthcare-Barometer 2020.

Lediglich die Hälfte der Bürger zählt das deutsche Gesundheitssystem aktuell zu den drei besten der Welt, während 2016 noch fast zwei Drittel der Top-3-Bewertung zustimmten. Der wichtigste Kritikpunkt betrifft die ärztliche Behandlung: Ärzte nehmen sich zu wenig Zeit für ihre Patienten, bemängeln 40 Prozent der Deutschen. Das sind zentrale Ergebnisse des Healthcare-Barometer 2020, einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bürger*innen, die bereits zum sechsten Mal veröffentlicht wurde.

„Deutschland galt lange als eine der führenden Gesundheitsnationen der Welt – und das zu Recht. Doch im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschland in den vergangenen Jahren ins Hintertreffen geraten, weil es die Digitalisierung regelrecht verschlafen hat. Dieser Rückstand bei digitalen Technologien – in Kombination mit dem dramatischen Fachkräftemangel im Gesundheitswesen – führt zu steigender Unzufriedenheit bei den Patienten. Daraus kann ein Thema erwachsen, das die politische Debatte künftig bestimmt wie heute bereits der Klimawandel. Deutschland braucht daher dringend eine nachhaltige eHealth-Strategie.“ sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC Deutschland.

Bürger begrüßen die Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung

Das sieht die Mehrheit der Bürger in Deutschland ähnlich: Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), das die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen vorantreiben soll, verbinden sie hohe Erwartungen. So begrüßen die Versicherten, dass der Innovationsfonds bis zum Jahr 2024 mit 200 Millionen jährlich verlängert wird (80 Prozent), dass Verwaltungsprozesse digitalisiert werden (77 Prozent) und es Gesundheits-Apps auf Rezept gibt (74 Prozent). Die Mehrheit der Bürger kann sich gut vorstellen, auf digitale Kommunikationsformen umzusteigen: 76 Prozent würden das elektronische Rezept nutzen, 54 Prozent sind gegenüber der Videosprechstunde aufgeschlossen und 70 Prozent bestätigen, dass die Gesundheits-App auf Rezept eine gute Orientierung darüber gibt, welche Anwendungen einen wirklichen Nutzen haben. Die elektronische Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an den Arbeitgeber begrüßen sogar 87 Prozent.

Sorge um Datenschutz und Datensicherheit

Allerdings machen sich die Bürger auch Gedanken über die Nutzung ihrer persönlichen Daten. 93 Prozent fordern daher, dass Informationen nicht ohne ihre ausdrückliche Zustimmung weitergegeben werden sollten. Denn 77 Prozent befürchten, dass ihre Daten an kommerzielle Anbieter übermittelt werden könnten.

Krankenhäuser: Patienten vertrauen der Empfehlung ihres Hausarztes

Relativ zufrieden sind die Deutschen auch mit ihrer Krankenhauslandschaft. Immerhin jeder zweite Bundesbürger schätzt die Versorgung in deutschen Kliniken als gut oder sehr gut ein. Auffällig ist, dass Frauen kritischer auf Krankenhäuser blicken – gute Noten geben nur 44 Prozent der weiblichen Patienten gegenüber 58 Prozent der männlichen. Bei der Wahl des richtigen Krankenhauses ist der Hausarzt der wichtigste Ansprechpartner (55 Prozent), gefolgt von Empfehlungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis (40 Prozent). Überraschenderweise folgen gerade die sogenannten Digital Natives (die 18- bis 34-Jährigen) am meisten dem Rat der Freunde (51 Prozent). Bewertungsseiten im Netz und die Homepage der Klinik spielen bei dieser Zielgruppe nur eine untergeordnete Rolle (33 bzw. 34 Prozent).

Hohe Zufriedenheit mit der eigenen Krankenkasse

Auch wenn die Unzufriedenheit der Bürger mit dem deutschen Gesundheitswesen steigt – das Vertrauen in die eigene Krankenkasse ist davon unberührt. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zufriedenheit der Versicherten sogar leicht gestiegen: von 86 auf 88 Prozent. Acht von zehn Studienteilnehmern bestätigen, dass sie alle Leistungen bekommen, die für eine gute medizinische Versorgung notwendig sind. Dabei gibt es allerdings einen deutlichen Unterschied zwischen privat und gesetzlich Versicherten: 90 versus 79 Prozent.

Das Image von Pharmakonzernen verbessert sich

Die Medikamentenhersteller kämpfen seit langem mit dem Image, dass sie vor allem auf Gewinnmaximierung bedacht sind. Doch das Bild wandelt sich allmählich: Während 2014 noch 76 Prozent dieser Aussage zustimmten, sind es aktuell nur noch 68 Prozent. Gleichzeitig steigt die Zahl derer, die Pharmakonzerne als innovative Unternehmen bezeichnen (2014: 15 Prozent; 2019: 19 Prozent). Die Erwartung, dass die Pharmaindustrie neue Produkte zur Krankheitsbekämpfung entwickelt, ist hoch: 69 Prozent der Bürger wünschen sich Innovationen. Dagegen denken nur 23 Prozent, dass die Branche sich auf die Entwicklung günstiger Generika konzentrieren sollte.

 

Foto: pexels.com

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