Studie: Patienten wollen Zugriff auf ihre Gesundheitsdaten

Studie: Patienten wollen Zugriff auf ihre Gesundheitsdaten

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Der Philips Future Health Index ist ein internationales Stimmungsbarometer der Weiterentwicklung eines vernetzten Gesundheitswesens. Diesmal im Fokus: die Einstellungen von Patienten und medizinischem Fachpersonal zu elektronischer Patientenakte, Telemedizin und künstlicher Intelligenz. 

76 Prozent der befragten medizinischen Fachkräfte nutzen im Klinikalltag die elektronische Patientenakte, 61 Prozent verwenden telemedizinische Anwendungen und 46 Prozent Technologien der künstlichen Intelligenz. Auch der elektronische Datenaustausch ist in den meisten Ländern im medizinischen Alltag angekommen. So gab 80 Prozent des medizinischen Personals an, bereits Patientendaten innerhalb der eigenen Einrichtungen auf digitalem Weg ausgetauscht zu haben. Über die Grenzen der eigenen Einrichtung hinaus teilten jedoch nur 32 Prozent der Befragten medizinische Daten mit anderen. Was den Datenaustausch zwischen Institutionen behindert: Datenschutz, Datensicherheit, fehlender Zugriff auf die entsprechenden Systeme und mangelnde Interoperabilität.

Eindeutiger Nutzen der ePA noch fraglich

Obwohl die elektronische Patientenakte (ePA) auf dem Vormarsch ist, verbinden viele medizinische Fachkräfte mit ihrem Einsatz noch keinen eindeutigen Nutzen. Trotzdem sind 69 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich der Einsatz elektronischer Patientenakten positiv auf die Qualität der medizinischen Versorgung auswirken würde. Allerdings erwarten nur 59 Prozent dadurch auch ein verbessertes Behandlungsergebnis für den Patienten.

Noch weniger Bedeutung messen medizinische Fachkräfte telemedizinischen Anwendungen bei. 39 Prozent gaben an, bei ihrer täglichen Arbeit überhaupt keine Telemedizin einzusetzen. Nur 33 Prozent bewertete den Einfluss der Telemedizin auf die Patientenerfahrung in den letzten fünf Jahren als positiv.

45 Prozent der Patienten hingegen können sich vorstellen, telemedizinische Konsultationen in nicht dringenden Fällen zu nutzen, um schneller oder überhaupt medizinische Leistungen zu erhalten. 71 Prozent der befragten Patienten gab an, trotz medizinischer Indikation schon mal auf einen Arztbesuch verzichtet zu haben. Hauptgründe dafür: Schwierigkeiten bei der Terminvereinbarung, Zeitmangel, eine fehlende Überweisung vom Hausarzt oder die Nicht-Verfügbarkeit eines Spezialisten in der eigenen Region.

Mangelnde Informationen über Künstliche Intelligenz

Obwohl sich die Mehrheit der medizinischen Fachkräfte vorstellen kann, beim Kennzeichnen von Anomalien (59 %), der Patientenüberwachung (63 %) und der Personal- und Patientenplanung (64 %) Künstliche Intelligenz einzusetzen, möchten über die Hälfte der Befragten diese nicht für Behandlungsempfehlungen, die Durchführung von Behandlungsplänen oder auch für die Diagnose nutzen.

Auch der wechselseitige Austausch von Gesundheitsdaten zwischen medizinischen Fachkräften und Patienten ist noch keineswegs im medizinischen Alltag angekommen. Zwar gaben 40 Prozent der medizinischen Fachkräfte an, ihre Patienten regelmäßig anzuweisen, Blutdruck, körperliche Aktivität und Gewicht mithilfe digitaler Technologien oder Health Apps zu erfassen, jedoch nur ein Zehntel versicherte, dass die meisten oder alle ihrer Patienten auch Daten mit ihnen geteilt hätten. Nur ein Drittel der Patienten, die Health Apps oder ähnliches verwenden, teilen diese Daten regelmäßig mit medizinischem Fachpersonal. 

Patienten wollen Datenzugriff

Laut der Studie hat die Mehrzahl der Patienten ein Interesse daran, in den Besitz der eigenen Gesundheitsdaten zu gelangen. So wünschten sich 63 Prozent der Patienten, den Zugriff auf ihre elektronische Patientenakte. Hauptmotivation: bessere Verwaltung der eigenen Gesundheit, mehr Kontrolle und Bequemlichkeit.

84 Prozent der Patienten mit Zugriff auf die eigene digitale Patientenakte möchten diese Gesundheitsdaten auch mit medizinischen Fachkräften teilen. Insbesondere die jüngere Generation der medizinischen Fachkräfte (18 bis 34 Jahre) verspricht sich davon eine bessere Erfahrung für den Patienten. 40 Prozent der Patienten über 55 würden Health Apps und ähnliches eher nutzen, wenn sie dazu von medizinischen Fachkräften eine entsprechende Empfehlung erhielten.

Der Future Health Index wurde 2016 von Philips ins Leben gerufen und gilt als repräsentatives Stimmungsbild für die Einstellungen und Wahrnehmungen im internationalen digital gestützten Gesundheitswesen. Für die Studie 2019 wurden 15.000 Einzelpersonen und über 3.100 medizinische Fachkräfte aus 15 verschiedenen Ländern (online) zu ihren Einstellungen im Umgang mit digitaler Gesundheitstechnologie befragt.

 

Grafik: Philips Future Health Index

Redaktionsteam
Das HealthDataSpace-Redaktionsteam umfasst Digithurst und Telepaxx Mitarbeiter verschiedener Abteilungen, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu relevanten Themen einbringen. Fragen, Feedback, Anregungen gerne an: marketing@healthdataspace.de

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