Tipps für entspanntes Sehen am Computer

Tipps für entspanntes Sehen am Computer

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    Bildschirmarbeit strengt die Augen an. Aus diesem Grund haben wir mit Sehtrainerin Barbara Brugger gesprochen und viele hilfreiche Tipps erhalten.

    Über welche Beschwerden, klagen Menschen am häufigsten, die viel vor dem Computer arbeiten?

    Barbara Brugger: Sehbeschwerden, die bei der Arbeit am Computer auftreten, hängen mit der Beanspruchung der Augen zusammen. Im Wesentlichen wirken sich die Dauer der Tätigkeit und die Umgebungsgestaltung – insbesondere die Lichtverhältnisse – darauf aus, ob die Augen ermüden. Die Augen sind nicht dafür geschaffen, ununterbrochen eine kleine Fläche im Sehabstand von 50 bis 80 cm zu fixieren. Sie brauchen die Möglichkeit zwischendurch in die Ferne zu schweifen und sich zu bewegen. Wenn diese Abwechslung fehlt, kommt es zu typischen Sehbeschwerden wir trockene, brennende und gerötete Augen, Druckgefühl um die Augen herum, zuckende Augenlider oder Kopfschmerzen. Manche merken die Überanstrengung der Augen auch am der Verzögerung des Scharfstellens, wenn der Blick zwischen Nah und Fern wechselt. Eine hohe Belastung für die Augen entsteht bei ungünstigen Lichtverhältnissen. Ausreichendes Tageslicht frei von Blendung und keine wesentlichen Helligkeitsunterschieden bieten ein optimales Umfeld für die Bildschirmarbeit.

    Leider sind diese Bedingungen in vielen Arbeitsräumen kaum realisierbar. Als oberste Priorität gilt es daher, Blendung zu vermeiden – unabhängig ob durch Sonnenlicht oder künstliche Lampen verursacht. Darüber hinaus sind Arbeitsplatzleuchten erforderlich, die die Arbeitsfläche ausreichend beleuchten (Mindesthelligkeit 500 Lux). Um starke Helligkeitsunterschiede zu vermeiden, ist zudem eine Beleuchtung der Umgebung erforderlich. Bei unpassenden Lichtverhältnissen, ermüden die Augen schneller, neigen zu Lichtempfindlichkeit und es kann zu einer Verschlechterung der Sehkraft kommen.

    Welche Tipps können Sie diesen Menschen geben?

    Barbara Brugger: Am wichtigsten erscheint mir, das Bewusstsein für dafür zu wecken, dass die eigene Sehkraft durch die achtsame Nutzung vom Computern beeinflusst wird bzw. dass die Augen durch den maßlose Einsatz von digitalen Geräten Schaden nehmen. Im beruflichen Kontext gilt es eine Bildschirm-Pausen-Kultur zu entwickeln. Die Bildschirmarbeit sollte regelmäßig – mindestens jede Stunde – durch eine Bildschirmpause unterbrochen werden. Der Körper braucht Bewegung und die Augen brauchen Abwechslung. Mit gezielten Augen- und Körperübungen sind nur wenige Minuten als Ausgleich erforderlich. Danach kann die Tätigkeit wieder aufgenommen werden.

    Studien im Rahmen der Arbeitsmedizin haben gezeigt, dass häufige kurze Bildschirmpausen deutlich erholsamer sind, als eine lange Pause nach mehren Stunden am Computer. Mit der Ermüdung sinkt auch die Konzentrationsfähigkeit und es dauert dann noch länger, die Aufgaben zu erledigen. Der Reiz der vielen mobilen Geräte verleitet auch in der Freizeit dazu, in eine virtuelle Welt einzutauchen. Jeder sollte für sich prüfen, welche Aktivitäten an Notebook, Tablet-PC und Smartphone wirklich notwendig sind. Und jedem sollte klar sein: Je mehr Zeit vor dem Computer verrinnt, desto wichtiger ist regelmäßige Bewegung und sportliche Betätigung.

    Was können denn insbesondere Radiologen tun, die bekanntlich sehr lange vor dem Bildschirm sitzen und das auch noch in abgedunkelten Räumen?

    Barbara Brugger: Die Tätigkeit der Radiologen bringt eine besondere Anforderung für die Kontrastwahrnehmung mit sich. Einerseits schaut man am Bildschirm direkt in eine Lichtquelle. Durch die mangelnde Umgebungshelligkeit erscheint der Bildschirm in einem dunklen Raum viel greller und wirkt aggressiver auf die Netzhaut. Andererseits besteht die Aufgabe darin, kontrastarme Schatten auf den Röntgenbildern zu erkennen. Das ist keine einfache Sehtätigkeit.

    Meine Empfehlungen:

    1. Die Bildschirmtätigkeit sollte regelmäßig unterbrochen werden, damit sich die Augen erholen können. Für Radiologen ist es wichtig, in den Bildschirmpausen (und der Freizeit) so viel wie möglich nach draußen und ans Tageslicht zu gehen. Hilfreich für ihre Sehaufgaben sind Übungen zur Anregung der Augenbeweglichkeit. Je beweglicher die Augen sind, deutlicher und kontrastreicher sehen sie. Die Netzhaut wird durch Übungen zur Wahrnehmung von Licht- und Dunkelheit gestärkt.
    2. Beim sog. „Lichtbad“ werden die geschlossenen Augen der Sonne zugewendet und der Kopf im Sonnenlicht bewegt. Das Licht, das durch die geschlossenen Augenlider dringt, wirkt stimulierend auf die Netzhaut und entspannt gleichzeitig.
    3. Im Anschluss bietet sich die Übung „Abschirmen“ an. Dabei werden die Augen mit den Handtellern verdunkelt, sodass kein Licht mehr wahrgenommen wird. Die Netzhaut kann regenerieren, was gleichfalls sehr entspannend ist. Beide Übungen brauchen nur wenige Minuten und können auch unabhängig voneinander ausgeführt werden. Beide bewirken ein kontrastreicheres Sehen.
    barbara-brugger-ecovitalBarbara Brugger beschäftigt sich seit Anfang der 90er Jahre als Sehtrainerin damit, wie man die Sehkraft auf natürliche Weise erhalten und fördern kann. Die qualifizierte Fachkraft für Arbeitssicherheit hat sich auf den Bereich Ergonomie am Computer spezialisiert und gibt ihr Wissen an Unternehmen weiter. Übungsvorschläge für Bildschirmpausen bietet ihr kostenloses wöchentliches Fit-per-Mail-Training unter www.vitalpause.de Als Gründungsmitglied engagiert sie sich zudem im Verein für gesundes Sehen e.V. Barbara Brugger bloggt unter http://stressfreisehen.wordpress.com
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    Das HealthDataSpace-Redaktionsteam umfasst Digithurst und Telepaxx Mitarbeiter verschiedener Abteilungen, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu relevanten Themen einbringen. Fragen, Feedback, Anregungen gerne an: info@healthdataspace.de

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