Verständliche Patientenkommunikation: „Was hab` ich?“-Gründer im Interview

Verständliche Patientenkommunikation: „Was hab` ich?“-Gründer im Interview

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Bei washabich.de können Patienten ihre ärztlichen Befunde in verständliches Deutsch übersetzen lassen. Warum das auch dem Arzt hilft? Dazu haben wir Ansgar Jonietz befragt, den geschäftsführenden Gesellschafter der „Was hab` ich?“ gemeinnützigen GmbH.

Fast 20.000 Befunde haben Patienten seit Januar 2011 in für Laien verständliches Deutsch übersetzen lassen. Warum ist der Bedarf so hoch? Reicht dem Patienten nicht auch ein Lexikon mit den Erklärungen der Fachbegriffe?

Ansgar Jonietz: Patienten benötigen qualitativ hochwertige und persönliche Gesundheitsinformationen. In einem Lexikon wie zum Beispiel Wikipedia fehlen die Zusammenhänge und der Patient muss die Informationen selbst filtern und bewerten. Dabei kommt es häufig zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Befund falsch verstanden wird. Mit dem Glossar befunddolmetscher.de, den wir in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung betreiben, erklären wir nicht nur Fachbegriffe, sondern setzen diese auch in einen Kontext. Das heißt, ein und derselbe Fachbegriff wird teilweise unterschiedlich erklärt, je nachdem welche Körperregion betroffen ist. Daher wählt der Patient zuerst die Körperregion und danach das Untersuchungsverfahren aus, bevor er den Fachbegriff in die Suche eingibt. Ebenfalls anders als bei Wikipedia bieten wir in sich geschlossene Texte ohne Links. Weiterführende Verweise zu anderen Fachbegriffen verwirren den Patienten nur. Im Gegensatz zu „Was hab` ich?“ erreichen wir auf diese Weise mit dem „Befunddolmetscher“ noch mehr Menschen und zudem sind die Informationen jederzeit öffentlich verfügbar.

Inwieweit werden Ärzte durch diese Dienste in ihrer Arbeit unterstützt?

Ansgar Jonietz: Wenn zum Beispiel ein Patient mit dem von uns übersetzten MRT-Befund zum Hausarzt oder auch zum Klinikarzt kommt, verfügt er bereits über ein gutes Grundverständnis. So kann er die richtigen Fragen stellen und der Arzt hat mehr Zeit, die wirklich wichtigen Dinge zu besprechen, weil er nicht mehr die Grundlagen erklären muss. Im Gegensatz zu Wikipedia sind die Informationen auf befunddolmetscher.de und die durch washabich.de übersetzten Befunde von medizinischem Fachpersonal geschrieben. So eine Übersetzung dauert im Durchschnitt 5 Stunden pro DIN A4 Befund-Seite. Bei uns engagieren sich ehrenamtlich Fachärzte und Medizinstudenten ab dem 8. Semester. Dadurch stellen wir die Qualität sicher. Und außerdem sind die Informationen für Laien verständlich aufbereitet, was bei vielen Gesundheitsinformationen im Internet ebenfalls nicht der Fall ist.

Was muss der Patient tun, wenn er seinen Befund übersetzt haben möchte?

Ansgar Jonietz: Als Erstes meldet sich der Patient mit seiner Email-Adresse kostenlos bei washabich.de an und setzt sich so auf unsere Warteliste. Nachdem er eine E-Mail mit dem Link zu unserem Upload-Formular erhalten hat, scannt der Patient seinen Befund ein oder fotografiert ihn ab und lädt ihn im SSL-verschlüsselten Formular hoch oder schickt ihn uns per Fax. Zuvor sollte der Patient alle persönlichen Informationen in seinem Befund unkenntlich machen. Trotzdem unterliegen all unsere „Übersetzer“ natürlich der ärztlichen Schweigepflicht. Sobald der Befund übersetzt ist, erhält der Patient die Zugangsdaten zu unserem Portal. Dort kann er sich einloggen und seinen übersetzten Befund als PDF herunterladen, die Übersetzung bewerten und auch sehen, wer aus unserem Team von ehrenamtlichen Ärzten und Medizinstudenten, seinen Befund übersetzt hat.

ansgar-jonietzAnsgar Jonietz ist der „Macher“ im Gründer-Trio des durch Spenden finanzierten Projekts „Was hab` ich?“ Zusammen mit Arzt Johannes Bittner und Ärztin Anja Bittner arbeitet der Diplom-Informatiker daran, Arzt und Patient auf Augenhöhe zu bringen. Gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung betreibt das Übersetzungsportal auch das Medizin-Glossar befunddolmetscher.de

Fotos: © „Was hab` ich?“

Redaktionsteam
Das HealthDataSpace-Redaktionsteam umfasst Digithurst und Telepaxx Mitarbeiter verschiedener Abteilungen, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu relevanten Themen einbringen. Fragen, Feedback, Anregungen gerne an: info@healthdataspace.de

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